Klez.E

Kapitel für Kapitel.

Klez.E

Sie stapeln die Tonspuren, sie experimentieren mit allem was ihnen in die Quere kommt, aber sie verzetteln sich nicht. Wie man im Bombast die Übersicht behält und wie man weiss was richtig ist für den Song wollten wir von Ihnen und trafen sie deshalb auf Tour.

Bei all dem was wir in Euren Songs finden können, wie nah sind die fertigen Songs an der ursprünglichen Idee?
Tobias: Also entstehen tut das ganz klassisch im Proberaum. Wir spielen alles zusammen in der Besetzung Schlagzeug, Bass, Gitarren und ich sing schon so ´ne Art Fantasiesprache drüber. Dann ist so ein Lied eigentlich fertig. Und dann hören wir Dinge die wir dazu geben. Ich sage immer, gefühlt wollte der Song von uns Dinge die wir für ihn tun. Er hat uns gefordert, also nachdem wir diese Grundband aufgenommen haben. Und haben dann gehört: “Hier hinten am Schluss, dass klingt als wäre da noch ein Chor oder hier hört es sich an als würde da noch ein Orchester spielen.” Und dann haben wir uns entschieden die Sachen so aufzufüllen, dass es dann halt auch wirklich so ist. Und haben dann immer mehr Instrumente reingenommen, bis das Lied dann irgendwann meinte: “So das reicht, jetzt könnt Ihr bitte zum nächsten Lied gehen.”

Aber gibt es so etwas wie eine Grundidee oder funktioniert das wirklich eher wie eine Improvisation?
Tobias: Genau, wie spielen einfach drauflos. Oftmals fangen sogar alle an irgendwie zu spielen und dann kristallisiert sich daraus ein Thema, eine Struktur und das wird weitergedacht und am Ende haben wir dann ein fertiges Stück.

Und die Gesangspassagen funktionieren anfangs als Blindtext?
Tobias: Genau, ich singe Blindtext, Fantasiesprache und die Melodien bleiben, ich würde sagen zu 90-95 Prozent, schon so wie ich die da mit der Band im Proberaum singe. Und dann später setze ich mich an den Text und versuche den Text auf diese Melodie tonal wie auch klanglich zu reproduzieren. Aber mit einem sinnvollem Text natürlich.

Begrenzt Ihr Euch im Studio in der Wahl der Instrumente oder seid Ihr da völlig frei?
Tobias: Nee, das ist frei, also was da rumsteht, wird benutzt.

Inwieweit spielt dann die Möglichkeit das live zu reproduzieren eine Rolle?
Tobias: Darüber machen wir uns beim Songschreiben sehr, sehr wenig Gedanken. Also da ist dann wirklich die Platte, das was wir machen wollen im Vordergrund. Später versuchen wir dann aber das live so umzusetzen, dass es Sinn macht.

Aber grundsätzlich ist Euch das egal?
Tobias: Ja, das ist egal. Jetzt mache ich mir da auch keine Sorgen mehr für die Zukunft. Weil, mehr als das was wir jetzt bei “Vom Feuer Der Gaben” gemacht haben ist auch nicht machbar. Und da haben wir es auch geschafft es relativ nah an der Platte live zu reproduzieren.

Es ist ja schon bombastisch was Ihr da zusammenbaut, ich weiss nicht wieviele Spuren Ihr da draufhabt aber…
Tobias: Eigentlich sind es so durchgängig immer mindestens 100-150 Audiospuren die wir da verwendet haben.

Gibt es da diesen Punkt wo man die Lust verliert, sich verzettelt oder geratet Ihr da eher in einen Rausch und legt noch mal 100 Spuren drauf?
Tobias: Es war nicht so theoretisch, also so “Wir brauchen Masse…” oder so ähnlich. Es war wirklich eher so, Lied hat verlangt und wir haben bedient. Und wir haben die Lücken gefüllt, sind aber natürlich auch in einen Rausch geraten mit der Arbeit am Lied. Chöre, noch ne Spur, noch ne Spur aber eben nicht der Spur willen sondern weil es Spaß gemacht hat und weil es die Fülle so verlangt hat.

Bei “Vom Feuer Der Gaben” gab es ja für das Artwork eine Koproduktion mit grafischen Künstlern, bei denen jeder ein Bild zu einem Song gestaltet hat. Inwieweit lagen den Künstlern die Songs vor? Also fertig oder gar im Demostadium?
Christian: Die Songs waren fertig. Wir haben sie ihnen inklusive der Texte geschickt. Den fremdsprachigen Künstlern haben wir englische Übersetzungen mitgegeben. Damit sie auch wissen worum es in dem Song geht. Und dann haben sie zu den fertigen Stücken diese Bilder gemalt, collagiert usw..

Also kann man hierbei nicht von einer Interaktion reden in sofern Ihr ebenfalls vo den Bildern beeinflusst wurdet?
Tobias: Nicht musikalisch aber im Blickwinkel auf das was wir als Band gerade da gemacht haben. Wenn Du anderthalb Jahre im Studio bist, dann bist du halt so tief drin und hast am Ende die Platte in der Hand. Und wir haben uns gefragt wie sind wir, im Zusammenhang mit dieser Platte, als Band, wie sieht das aus. Wo stehen wir jetzt und wie wird die Platte heissen? All diese Fragen stellten sich uns. Und dann haben wir die Bilder bekommen und sind darüber auf den Plattentitel gekommen, sind auf das Gefühl gekommen wie wir mit Bildern, mit Videos und so das Album “einpacken”. Diese Bilder haben uns sehr geholfen zu erkennen was wir da die letzten zwei Jahre gemacht haben.

Wollt Ihr diese Art der Zusammenarbeit in Zukunft weiterführen oder vertiefen?
Tobias: Das werden wir bestimmt machen. Also mit Bildern sind wir natürlich durch, aber da gibt es ja auch sehr viele andere Möglichkeiten der Vereingung von Kunst mit Musik.

Schreibt Ihr die Songs immer in Hinblick auf ein neues Album, projektbezogen also, oder stellt ein Album eher eine Sammlung dar?
Christian: Es ist eine kleine Sammlung, also es gab Songs die es nicht auf das Album geschafft haben. Wir hatten diesmal eine 100%-Regel. Wenn nicht alle schon hundertprozentig mit der Anfangsidee im Proberaum zufrieden sind wird die Idee verworfen. Und deswegen haben wir dann am Ende nur noch an den Songs gearbeitet, die wirklich 100 % der Band gefallen.

Und auf Tour, wird da an Songs gearbeitet?
Tobias: Nein, aufgrund der Soundchecks die leider immer zwei Stunden dauern und der umfangreichen Instrumentierung ist das auf Tour nicht möglich. Ich hätte das schön gefunden um so auch die Einflüsse und Eindrücke der verschiedenen Städte direkter einfliessen zu lassen. Und dann schon was zu haben woran man weiterarbeiten kann, wenn man wieder zu Hause ist.

Verändert sich der Art wir Ihr die Songs spielt stark auf Tour?
Christian: Ja schon, also die Stücke verändern sich in der Art wie man sie spielt. Ich bin selber immer wieder überrascht wenn ich die Platte später höre und merke: “Ah, so war das mal gedacht.” Eine bestimmte Passage, eine bestimmte Melodie gerät mehr in den Vordergrund einfach durchs spielen weil das live dann so sein muss. Aber es sind nur Nuancen.

Mir ist bei Eurem Konzert gestern im Amp aufgefallen, dass der Gesang mehr im Vordergrund war im Vergleich zur Platte. Also so, dass ich mich von den Worten durch die Songs leiten liess wie es sonst eher bei Bands wie Tomte oder Kettcar der Fall ist bei denen der Text in der Wahrnehmung die Musik fast verdrängt. Bei Euch hingegen empfand ich den Gesang sonst immer eher als Instrument. Ist das auch so?
Tobias: Sowohl als auch, mir ist schon wichtig diese Instrumentform abzudecken, aber auch gerade jetzt speziell mit diesem Album ist mir der Text auch sehr wichtig. Es ist für uns schon so sehr viel lauter gemischt, also der Gesang, als wir das bislang hatten. Live geben wir da jetzt noch mehr um es über die Kraft der Instrumente zu stellen, damit man die Texte noch hören kann. Auf Platte kann man das noch leichter raushören aber live würde das die Gitarrenwand schon sehr wegbrechen uns wenn man dann den Gesang wie auf Platte einmischt könnte es sein, dass man zu wenig versteht.

Ich empfinde es so, dass diese Platte im Vergleich zu “Flimmern” weniger als Brocken sondern mehr als einzelne für sich allein funktionierende Songs daherkommt. Seht Ihr das ähnlich?
Daniel: Ich sehe das genauso, ich hatte schon von Anfang an das Gefühl bei der Platte. Jedes einzelne Stück hat so einen Absatz, Trennung. Es hat sich jetzt für mich durch die Tour und auch Platte schon mehr vereinigt. Aber es fing auch so an, dass es einzelne kleine Werke waren die so zusammengetragen worden sind. Sehe ich also ganz genauso, auf der “Flimmern” ist es fliessender und hier ist es so Stück für Stück aber im positiven Sinne. Es macht für mich Sinn. Also wie jedes Bild auch für sich steht. Jedes Bild ist abgeschlossen und so ist auch jedes Stück abgeschlossen.

Ich finde die Dramaturgie auch sehr gelungen, man bewegt sich von Kapitel zu Kapitel, aber halt trotzdem mit Überleitung. War das schwierieg?
Alle: Ja!
Christian: Es hat wirklich sehr lange gedauert. Es gab verschiedene Playlisten. Und es dauert ja seine Zeit so ein Album dann zwei, drei Mal zu hören, zu schauen wo etwas nicht passt. Dann wurde wieder alles verworfen, dann kam noch ein Stück hinzu, dann wurde wieder alles verworfen…. Aber, wir wussten von Anfang an, dass die Playlist sehr entscheidend sein würde.

OK, dann ab zur letzten wichtigsten Frage nach Eurem liebsten Nirvana-Song?
Tobias: Oh Gott, frag erst mal die Anderen…
Phillipp: Das von der “In Utero” wo der Schlagzeuger…, aber wie heisst das?

“Scentless Apprentice”?
Phillipp: Ist das, dass mit dem Schlagzeug-Intro?

Ja.
Phillipp: Ja, dann das. Das ist unfassbar gut.
Christian: Ich schliesse mich an.
Christian: “Negative Creep” von der “Bleach” das ist mir immer gut im Kopf geblieben.
Daniel: Ich kann da auch nicht viel zu sagen, bin nicht so Nirvana sozialisiert.
Tobias: Ich auch nicht…

Aber hey, die sind nun wirklich bekannt, da muss was gehen…
Tobias: Aber “Rape Me” zu sagen wäre zu einfach oder? Aber da gibt es einen Mädchennamen…

Polly?
Tobias: Ja, das finde ich sehr schön.